Die ganz normale Männerverachtung

Letzte Woche habe ich unsere Tochter zu einer Augenkorrektur-OP begleitet. Man bekommt zwar starke Beruhigungstabletten, aber die OP muss bei vollem Bewusstsein gemacht werden. Das ist schon eine ziemliche Belastung, weshalb ich sie auch begleitet hatte. Es war ebenso selten wie schön, mal wieder als Mutter gebraucht zu werden.
Vor Anna wurde ein junger Mann behandelt, dem nach der OP am ersten Auge schlecht wurde. Er konnte nicht weiterbehandelt werden und musste sich im Zwischenraum auf einen Liegesessel legen. Die Arzthelferin, die mich gerade holen wollte, rollte mit den Augen und meinte nur: „Männer. Die kippen immer als Erste um.“ Ich war so überrascht, dass mir im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr einfiel. Als ich in den Warteraum ging, lag er dort, völlig blass und verunsichert. Er tat mir echt leid, zumal er keine Begleitperson dabeihatte. Im OP-Raum wiederholte die Arzthelferin ihr Männer-Verachtungs-Statement mit einem Wort: Männer. Ich wusste gar nicht, dass man in ein Wort so viel Verachtung und so wenig Mitgefühl legen kann. Ihrer Aussage pflichtete die Ärztin bei. Da sie gerade Anna operierte, war ich froh, dass sie zumindest das Augenrollen unterließ. Was für eine subtile und offene Feindseligkeit. Sollte ich augenrollend zustimmen? War ich in der Verachtungssolidargemeinschaft gelandet? Wann wurde diese gegründet?

WANN WURDE DIE MÄNNERVERACHTUNG SALONFÄHIG?
Unsere Tochter hat einen sehr niedrigen Blutdruck, was zur Folge hatte, dass ihr nach der OP ebenfalls schlecht wurde. Sofort wurde ihr etwas Süßes mit Orangensaft gebracht. Beide Helferinnen kümmerten sich sehr nett um sie mit dem Hinweis, sonst passiere das nur Männern. Selbst hier wurde die Verachtung nicht aufgegeben und der feindselige Standpunkt nicht korrigiert; nein, es ging weiter mit dem Männer-Bashing. Dann wurde Anna sogar ohnmächtig. Noch mehr Helferinnen inkl. Ärztin kamen, gaben ihr Kreislauftropfen und weitere Zuwendung bis hin zu einem kurzen Zuruf der Rezeptionistin: „Ich leide mit Ihnen.“

FRAUEN SIND JETZT GLEICHER?
Was für eine Ungleichheit in der Behandlung. Jahrzehntelang wird der Anspruch durchgefochten, Männer sollten gefälligst mehr Gefühle zeigen, und dann werden sie verlacht, wenn ihnen schlecht wird? Warum fehlt das Mitgefühl völlig, wenn ein junger Mann Angst hat? Wann wurde diese herzlose Feindseligkeit eigentlich gesellschaftsfähig? Warum bekommt die Verachtung so viel Zustimmung und so wenig Ablehnung? Selbst die Männer wehren sich nicht. Warum? Was wäre, wenn in einer rein männlichen Arztpraxis ein Mann so reagiert hätte, wäre einer Frau schlecht geworden? Man kann sich noch nicht einmal vorstellen, dass ein männlicher Arzthelfer/Arzt dann sagt: „Frauen. Sollen sich doch nicht so anstellen.“
Ich musste an unseren Sohn denken. Was, wenn er dort gelegen hätte und so gefühlskalt behandelt worden wäre? Mir kamen die Tränen. Warum denken die Frauen nicht auch an ihre Söhne? Werden Frauen nicht als gefühlvoller, mitfühlender und empathischer gesehen? Das hört bei Männern auf? Wenn dieser GESCHLECHTERKRIEG nicht beendet wird und Frauen sich nicht dem GESCHLECHTERFRIEDEN verschreiben, brauchen wir keine Atombomben mehr, um die Menschheit zu vernichten.
Liebe Frauen, gebt Eure Verachtung für das Anderssein des anderen Geschlechts vollständig auf und heißt es begeistert willkommen. DAS ist wahre LIEBE. Du bekommst von der Potenz, was Du willst, wenn Du sie im Context von Verschmelzung liebevoll steuerst, anstatt sie zynisch verachtend zu kontrollieren.

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