Eine wahre Weihnachtsgeschichte

Mein Mann Andreas und ich überlegten nach 11 Jahren zusammengewürfelter Weihnachtsdekoration, neuen gemeinsamen Baumschmuck zu kaufen. Im Laden laufe ich zielstrebig auf dunkelrote und goldene Kugeln zu, Andreas auf grüne und goldene. Mein erster Gedanke: „Die Farbe der Kugeln lege schon ich fest, ich bin ja die Frau.“ Ich argumentierte ein wenig, das kann ich gut und schließlich sagte er: „Weißt Du, dann such‘ halt Du allein aus. Du bist ja auch die Frau.“ OMG! Erwischt! Wofür soll DAS eigentlich ein Argument sein, dass ich „die Frau bin“? Wieso gibt es Entscheidungen, bei denen wir Frauen ganz selbstverständlich dieses eine Argument benutzen, wenn auch unausgesprochen? Und gibt es Entscheidungen, bei denen wir nicht in letzter Konsequenz diese Trumpfkarte spielen? Ich stehe im Laden und komme ins Grübeln.

Es gab eine Zeit, da hätten wir rot und gold geschmückt. Basta. Da wird nicht lange diskutiert, da wird die Gefühlsquetsche eingesetzt. Hätte er dem dann letztlich wenn auch widerwillig zugestimmt, wäre ihm meine Verachtung gewiss, dass er so einfach aufgibt. Die Verachtung hätte dann rot-gold am Baum gehangen. Gefolgt von der Zeit, in der wir NUR goldene Kugeln gekauft hätten. Jeder bekommt etwas von seinen Vorstellungen. Hoch lebe der Beschiss beim Kompromiss! Es gab sogar eine Zeit, in der ich gezielt NUR grüne Kugeln gekauft hätte. Mit Vorwürfen meinerseits. Natürlich subtil. Sieht halt nicht gut aus, so nur in Grün. Frohe Weihnachten aber auch.

Ich höre, wie er zu mir sagt: „Nimm wirklich, was DU magst, mein Schatz.“ Und in diesem einen Satz steckt, wie sehr er mich liebt und möchte, dass ICH habe, was ich will, dass ICH glücklich bin. Es gab eine Zeit, da habe ich das nicht gesehen, sondern hätte trotz oder sogar wegen seines Angebots weitergekämpft. Das alles war in der Zeit des zusammengewürfelten Schmucks. Und irgendwie waren auch wir sehr oft so … zusammengewürfelt. Mal verliebt, dann wieder im Vorwurf, streitend, kämpfend, wieder versöhnt, zwischendurch verzweifelt und dann auch wieder ganz nah. Eine ganz normale Beziehung, aber anstrengend und weit entfernt von Erfüllung.

Nun bin ich schon seit drei Jahren Contextuelle Trainerin und zum allerersten Mal fühle ich seine ganze Liebe, die in diesem einen Satz steckt: „Nimm, was DU magst.“ Plötzlich bin ich zutiefst berührt und denke an unseren zusammengewürfelten Schmuck, der ein Teil unseres Weges und damit ein Teil von uns ist. Wie einzigartig und wundervoll war jedes Weihnachtsfest, das ich schon mit ihm erlebt habe. Nicht immer perfekt, manchmal auch mit Streit, Enttäuschung und verkohltem Braten, aber es waren UNSERE Weihnachten. Ich denke voller Liebe an alle Erfahrungen – ohne sie stünden wir als Paar heute nicht da, wo wir jetzt stehen. Ich beobachte, wie er durch den Laden geht, nach den Kindern schaut, nach mir schaut, nach Deko schaut. Ich bin so unglaublich beschenkt durch ihn. Immer. Mit oder ohne Baum. Mit oder ohne Kugeln. Die Farbe ist so scheißegal. As long as he is with me. ❤️ Ich mag unsere neuen gemeinsamen grün-goldenen Kugeln. Sie stehen für unsere Verschmelzung, die möglich ist, weil es uns irgendwann auf dem gemeinsamen Weg nicht mehr darum ging, Recht zu behalten, sondern den anderen zu behalten. ❤

Wie hat dieser Verschmelzungsweg eigentlich begonnen? Vor neun Jahren sagte mir ein Freund: „Wenn Du so weitermachst, wird die Beziehung mit Andreas genauso enden wie die davor. Das muss es nicht. Wenn Du etwas anderes willst, empfehle ich Dir, Das Training bei der CCA zu machen.“ Er hat mich nicht überredet, überzeugt oder begeistert, sondern nur gesagt, es gibt eine Möglichkeit, es anders zu machen. Okay, zunächst hab‘ ich mich etwas geziert, doch dann meldete ich mich einfach an. Ich hatte die Faxen dicke und wusste nur eins: Ich wollte Andreas behalten. Nicht wieder Singlemutter. Womöglich mit zwei Kindern. Ich wollte, dass es funktioniert.
Heute leite ich selbst das Contextuelle BeziehungsTraining der CCA und bin so inspiriert, anderen Paaren diese Möglichkeiten und Erkenntnisse weiter zu geben. Welch ein Privileg, wenn sie wieder zueinanderfinden, wenn sie ihre Verachtung aufgeben und wieder in Liebe sind, wenn sie eine Qualität leben, von der auch ihre Kinder profitieren. Ich danke Stephan & Maria, dass sie mir und uns den Weg gezeigt haben und dass ich ihn nun anderen zeigen kann.

Wie wäre es, wenn Du nicht auf das Weihnachtswunder wartest, sondern selbst eins bist? Sei Du der Freund, die Freundin, der oder die eine neue Möglichkeit anbietet. Nutze Weihnachten, um anderen die Möglichkeit des Trainings anzubieten. Einfach so, weil Du willst, dass sie erfolgreich und erfüllt sind.

Patrizia Voigtländer

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