fbpx

Meine erste Hammammassage oder wie ich meinen inneren Kommentator zum Schweigen brachte.

Angekommen. Nach vier Std. Autofahrt mit erfolgreicher Umfahrung eines Staus, wurden wir mit einem wundervollen Hotel und einem sagenhaften Ausblick auf die Ostsee belohnt. Portwein war bereit gestellt. Trinken wir sonst eher nicht, aber passte zum Hotel.

„Schatz, ich lese grad, dass sie nicht nur ein tolles Spa haben, es werden auch Massagen angeboten. Soll ich eine für uns buchen?“

„Gern. Am besten Sportmassage.“

„Ich hab für dich morgen eine Massage gebucht und vorher hab ich eine Hamasmassage für mich.“

„Ich glaub nicht, dass dir das gefallen wird.“

„Warum? Das wollte ich immer mal machen. Soll toll sein.“

„Hammam mag dir gefallen. Von Hamas würd ich dringend abraten.“

Stimmt auch wieder. Da hatte ich noch keine Ahnung, dass ich gar nicht so falsch lag mit meiner Bezeichnung. Eine freundliche Spa Rezeptionistin namens Beate führte mich zum Hammambereich. Sehr schön.

„Also hier ist der Einmal-Slip und dann bitte ich Sie 10 Min. ins Dampfbad zu gehen, damit sich alle Poren öffnen.“

Macht Sinn. Der Einmal-Slip verdient bestimmt den Begriff einmal, aber nicht Slip. Tanga eher. Kleiner Tanga. Sie ist ja ganz nett, dachte ich mir so. Wird bestimmt gut. Alle Bilder, die ich von Hammamassagen kannte fielen mir ein. Machte schon Sinn mit dem Slip.

„Sie können jetzt kommen,“ hörte ich eine männliche Stimme.

Warum männlich? Hallo. Wo ist Beate? Ich öffne die Tür und sehe einen durchtrainierten dreißig jährigen Mann. Wo sind die etwas übergewichtigen etwas älteren Damen, die normalerweise sowas machen? In wirklich JEDEM Prospekt sahen sie so aus. Hallo, das entspricht überhaupt nicht meinem Bild.

Okay. Gebucht ist gebucht. Schließlich nicht die erste Massage von einem Mann. Allerdings schon das erste Mal in so einem einmal …. Ach was soll’s.

Zunächst heißes Wasser über den Körper laufen lassen. Sehr angenehm. Dann Abreiben mit einem Massagehandschuh. Hilfe. Ich will eine dicke türkische Mama. Meinetwegen auch polnisch, ungarisch oder deutsch. Auch nur leicht übergewichtig. Muss noch nicht mal Mutter sein. Okay, genug gezetert, entweder ich bin weiter im Widerstand und verpasse dieses Erlebnis oder stimme zu. Ich wähle Zustimmung, die goldene contextuelle Arschkarte. Kaum gewählt, bin schon entspannter. Schön.

Jetzt komm der Schaum. Angenehm. Sehr angenehm. Ich befürchte, was dann auch tatsächlich passiert: der Schaum wird per Hand einmassiert. Da schreit er auf mein innerer Kommentator: Ich bin zu dick. Nicht viel, aber etwas. Also etwas viel. Drei, gut evtl. fünf aber maximal sechs Kilo. Hallo!! Was denkst Du grad? Du bist eine Kundin, die massiert wird und nicht auf nem Schönheitswettbewerb. Warum glaubst Du gefallen zu müssen? Wieder verspanne ich mich.

Es sollte schlimmer kommen. Reis hat bei mir ähnliche Auswirkungen wie Bohnen. Auch dass noch. Alles, was man macht, um eventuelle Geruchsbelästigung zu verhindern geht jetzt nicht. Es muss durch reine Absicht funktionieren. Hat funktioniert.

Jetzt wähle: entweder bist du weiter in Anspannung, ob eines nicht makellosen Modelkörpers oder Du gibst Dich der Massage hin und genießt. Du hast keinen Einfluss auf seine Gedanken, aber auf Deine. So langsam dämmert mir, warum ich eine dicke Masseurin wollte. Ich wähle hingebungsvollen Genuss. Herrlich. Augenblicklich genieße ich die Erfahrung. Verwöhnung pur. Wunderbar.

Grad so schön entspannt, fällt mir ein, es gibt nicht nur die Rückseite, sondern …. Im selben Moment bittet er mich, mich umzudrehen. Und es gibt dieses Mal keinen Einmal-BH. Egal wie klein. Her damit!

Entweder Du gehst alles nochmal von vorne durch oder wählst gleich, Deine Gedanken nicht weiter zu unterhalten, stimmst zu und genießt. Das hab ich getan. Was soll ich sagen:

Der Köper wurde massiert und mein innerer Kommentator massakriert.

Also doch Hamasmassage.

© Stephan & Maria Craemer

0

Your Cart