Streit kann den Urlaub vermiesen und die Partnerschaft retten.

Papa packt das Auto schon am Vorabend, da er ganz früh morgens den Stau umfahren will. Spät stellt er fest, dass die Tochter kein Kinderfahrrad mehr mitnimmt und die Fahrradhalterung nur drei Räder fasst. Hektisch wird eine Lösung gefunden und morgens übermüdet losgefahren. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er zunächst zwei Tage zu Hause verbracht, um in Ruhe zu packen, statt direkt nach Arbeitsschluss loszufahren. Er fügt sich dieser Lösung, da die Ferienhäuser nur ab Samstags vermietet werden. Sein Hinweis, dann stünde das Haus eben zwei Tage leer, wenn sie montags führen, wurde von seiner Frau nur augenrollend abgewiesen.

Mama organisiert schon seit Wochen alles Mögliche und packt auch für die Kinder, so dass sie sich am Rande des Nervenzusammenbruchs wähnt, als sie feststellt, dass die Tochter Ohrenschmerzen und leicht Fieber hat. Hinzu kommt, dass der Sohn im Urlaub Geburtstag feiert und entsprechend Geschenke gekauft, verpackt und unauffällig eingepackt werden müssen. Tja, und dann war da noch der gestrige Bikinikauf. War die Stimmung vorher am Boden, war sie in der Umkleide im Keller. Wer ist eigentlich verantwortlich für die Beleuchtung in den Kabinen? Magermodels oder Männer? Für solche emotionalen Probleme hat der Göttergatte ja eh’ kein Verständnis.

Wiedererkannt? Beide leben mit diesem Urlaub einen faulen Kompromiss. Es muss übrigens nicht der Fahrradurlaub in Dänemark sein, es kann auch der Surf-Hawaiiurlaub oder teure Cluburlaub sein. Die Umstände sind anders, aber im Kern nicht besser. Natürlich wollen die Paare im Urlaub Zeit mit ihren Kindern verbringen, aber eben auch wirklich Urlaub haben und was würden sie gern tun? Die Antworten sind geschlechtsspezifisch: Die meisten Männer wollen wieder mehr Nähe zur Partnerin und zwar nicht in erster Linie durch Reden, sondern durch exklusive Intimität und Sexualität. Allein dieses Bedürfnis treibt den durchfeminisierten Frauen die Haare zu Berge und die folgende Tatsache wird sie selbige raufen lassen. Wir schreiben es trotzdem.

Das männliche Gehirn erzeugt Bindungs- und Glückshormone durch körperliche Nähe in Form von längerem, großflächigen Hautkontakt und besonders intensiv durch Sexualität und eben nur sehr wenig durch verbale Kommunikation. Das für Bindungsgefühle zuständige Hormon Dopamin wird bei Männern fast nur durch körperliche Berührung ausgeschüttet, nur sehr wenig durch Reden, auch wenn dieser Zusammenhang vielen Frauen nicht gefällt. Reden scheint bequemer, zumindest für die Frau. Wenn der Mann Nähe zu anderen Frauen sucht, fehlt ihm übrigens nicht mehr Reden.

Die meisten Frauen wiederum antworten, dass sie im Urlaub ihre Ruhe und Zeit für sich wollen. Sie haben nicht (mehr) den Drang nach körperlicher Nähe, finden es und ihn sogar lästig oder anstrengend. Da kommt ein Urlaub mit den Kindern doch gerade recht, da nun keiner sagen muss, was ihm gefällt und was er wirklich will. Doch wird es im Urlaub immer mindestens eine Situation geben, in der diese Bombe platzt, sei es, dass er mal wieder etwas vergessen hat und ihm ihr ständiges Meckern auf die Nerven geht, oder dass sie sein Bedürfnis nach Nähe wiederholt ablehnt, und er den Frust im Alkohol ertränkt, was wiederum ihr missfällt.

Häufig wird geschwiegen, man will wenigstens etwas haben von der schönsten Zeit des Jahres, oder es fliegen immer mehr spitze, entwertende Bemerkungen, oder aber der Streit artet in wüste Beschimpfungen aus, so dass es kaum noch einen Weg zurück gibt. Die Scheidungsrate steigt nach der Urlaubszeit nicht zufällig an. Was nun? Konstruktiv streiten? Das wäre wie mit Wattebäuschchen werfen. Die Wahrheit wird nur verleugnet oder geschönt. Nie, wirklich nie wird die Wahrheit über die Unterschiedlichkeit der geschlechtlichen Bewertungen gesagt, die man in einem Streit abstrahieren könnte, geschweige denn, dass diese meist moralistischen Bewertungen vollständig anerkannt und aufgegeben werden.

Was ist denn die ‚Wahrheit‘? Dazu eine kleine Hinführung: Auf der Inhaltsebene lässt sich das Problem ganz einfach lösen: Sie initiiert zwei Mal die Woche Sex und schafft dafür einen entsprechenden räumlichen und zeitlichen Freiraum, und er ermöglicht ihr im selben Umfang zwei Mal die Woche freie Zeit. Da braust es wieder auf das feministische Herz. Diese Forderung ist doch eine Frechheit! Sowas kann man doch nicht verlangen! Dafür muss man erst in Stimmung sein! Doch, man kann verlangen, dass er unabhängig von seiner Stimmung allein Zeit mit den Kindern verbringt, das stärkt seine Beziehung zu ihnen und seine Anerkennung für ihre tägliche Leistung. Ach, das war gar nicht gemeint, sondern das mit dem Sex kann man nicht verlangen? Warum nicht? Weil sie nicht immer in Stimmung ist? Ja, ist er denn immer in Stimmung zum Reden? Warum wird mit zweierlei Maß gemessen? Ist gelebte Sexualität nicht ein Geschenk für BEIDE? Erhöht es nicht auch ihren Dopaminspiegel, reduziert ihre Stresshormone und vermindert Faltenbildung?

Der Hauptgrund für Stress nicht nur im Urlaub liegt somit nicht auf der Inhaltsebene, sondern auf der Contextebene in der unterschiedlichen Bewertung der Bedingungen für Nähe und Verschmelzung. Seine sind vorgeblich schlecht und unmoralisch, ihre vorgeblich (moralistisch) gut und wertvoll. Dieses gelebte Ungleichgewicht wird immer wieder unausgesprochen kommuniziert. Dabei ‚fühlt‘ Frau ihre Wahrheit als richtiger als seine, zumal sie die gesellschaftliche Zustimmung auf ihrer Seite wähnt. Die optimalen Bedingungen für ihn und seine Potenz werden mit Hilfe moralistisch unterfütterter Rechtfertigungsgeschichten verachtet und verteufelt, was zu mehr Unzufriedenheit und Streit führt, weil der darunterliegende Konflikt nicht durch Aufgeben der einseitigen Rechtfertigungsgeschichte aufgelöst ist.

Es braucht einige, negative Contexte wandelnde Trainingsprogramme der CCA, um sich von der gesellschaftlichen Umklammerung dieser schädlichen Doppelmoral zu befreien, UND es lohnt sich, denn dann und nur dann lässt sich Geschlechterfrieden und auf Dauer Geschlechterliebe erschaffen. Das hat unvergesslich schöne Urlaube und ein erfülltes Leben zur Folge, sowie eine inspirierende Zukunft für die Kinder, die im Context von Geschlechterliebe eine Intensität und Qualität in ihrer Partnerschaft leben werden, von der die heutige Generation noch nicht einmal eine Vorstellung hat.

(c) Stephan & Maria Craemer

0

Your Cart