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Urlaub von sich selbst

Rückreise vom Flughafen Palma de Mallorca. Die meisten Urlauber sind braungebrannt, viele noch in dünner Sommerkleidung und Sandalen. Hoffen sie damit der erwartenden herbstlichen Kälte in Deutschland zu trotzen?

Etliche zeigen sich schon in der Warteschlange gestresst. Genervt, wenn sie nochmal durch die Schleuse müssen, weil der Pieper losging nur weil sie den Schlüssel oder Gürtel nicht abgegeben hatten. Verständnislos, wenn sie zudem ihre Schuhe ausziehen müssen und teils sogar verärgert, wenn sie rausgewunken werden, um beim Zollbeamten die Tasche zu öffnen.

Hält die Erholung des der Urlaubs nicht einmal bis zum Flughafen? Beim Hinflug sind sie noch vom Alltag genervt und beim Abflug wieder in der Erwartung deselben? Irgendwie lass ich mich kurz von der gestressten Stimmung anstecken, als meine Handtasche zum dritten Mal die Runde dreht und ich in der besonderen Schlange für karusselfahrende Taschen warte. Vor mir ein junger Wanderer mit Holzfällerhemd und dickem Rucksack. Neben mir der Beamte, der das Karussell lustlos bedient. Ebenfalls genervt. Kann ich irgendwie verstehen. Ich frage ihn, was ich tun müsse, um an meine Tasche zu kommen. Währenddessen zieht der zweite Beamte aus dem Rucksack des Wanderers vor mir ein große Holzfeile. Durchaus als Waffe zu gebrauchen. Der Beamte beschlagnahmt diese, was der Holzfäller doof findet und ich irgendwie beruhigend. Wieder drehe ich mich nach links zu meinem Taschen überwachenden Beamten, lächle ihn an und sage: „Thanks, for making me feel safe“ Er freut sich und lächelt zurück. Sofort holt der Beamte vor mir meine Tasche und winkt mich zur Zollbox, wo ich diese ausleeren soll. Ich lächle auch ihn an und bedanke mich dafür, dass er ebenfalls für meine Sicherheit sorgt. Er freut sich und meint, es wäre schön, mal nicht angemacht zu werden. Ich hole mein Handy aus der Tasche und er sieht das Bild unserer Familie. Kurz erzähle ich ihm, dass unsere Tochter in Berlin und unser Sohn in Boston lebt. Er liebe Berlin und erzählte mir, dass er gern wieder dorthin wolle. Nur das Wetter müsse dann besser sein. Beim Auspacken entdecke ich die Sonnencreme und frage ihn, wo ich diese entsorgen könne. Ich kann sie behalten. Auch das Parfüm und den Nagellack. Wir unterhalten uns noch kurz darüber, wie es für unseren Sohn sei in Boston zu leben, da er noch nie im Ausland gelebt habe. Zum Schluss sind wir so vertraut, dass wir uns beinahe zum Abschied umarmt hätten. Hinter mir kommt eine junge Mutter mit zwei Kindern und findet es unmöglich, die Babytasche öffnen zu müssen, die ältere Dame dahinter pflichtet ihr bei, die dazugehörigen Männer schweigen. Der normale Wahnsinn am Flughafen hat den Beamten wieder eingeholt.

Das Dumme an jeder Reise ist, dass man sich selbst mitnimmt. Egal wo man hinfährt, die eigenen Erwartungen, Gefühle, Ansprüche sind schon da. Und weder das sonnigste Wetter, noch schönste Hotel, noch exklusivster Strand machen einen Unterschied. „Wenn Sie wüssten, welch großartige Möglichkeit es gibt, von sich selbst Urlaub zu machen, nachdem sie zwar nicht braungebrannt aber erleichtert, glücklich und energiegeladen zurückkommen“, denke ich in dem Moment, in dem ich auf meinen Mann zugehe, ihn mit einem Lächeln und Kuss empfange und mich bedanke, dass er gewartet hat.

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